Meine Erfahrung mit No Poo

Haare nur mit Wasser waschen?!

Vor einiger Zeit konnte ich mir nicht einmal ansatzweise vorstellen meine eigenen Haare nur mit Wasser zu waschen. Shampoo, Spülung und Co. waren mindesten alle zwei Tage mein Pflichtprogramm. Ich liebte den herrlichen Duft, den Schaum auf dem Kopf und das leichte Haar nach dem Trocknen. Es fühlt sich seit Kindheitstagen eben erst richtig sauber an, wenn man schön eingeschäumt von Kopf bis Fuß war. 

Und auch während meiner Ausbildung zur Drogistin habe ich die ganze Palette der Vorteile, die die Produkte aus einer Drogerie zu bieten haben, verinnerlicht bekommen.  Es gibt wohl kaum ein Problem, was was nicht gelöst werden kann, wenn man das richtige Produkt kauft. Und wenn es doch nicht hilft – ja dann muss man weiter testen, dann hat es ausgerechnet bei DIR nicht geholfen 😉

Mit dieser gesellschaftlichen Meinung und meinem angepassten Verhalten, habe ich natürlich jahrelang gemacht, was Mama und Werbung mir vorgegeben haben. Wird schon stimmen und seine Richtigkeit haben…?!

Doch wenn da nicht diese kleine Stimme in mir wäre…

…die mich schon seit langer Zeit immer wieder fragt

Wie haben die Menschen es eigentlich damals gemacht – Ohne Auto, ohne riesen Villa, ohne Schminke und ohne Beauty-Produkte?

Und da ich seit Jahren immer wieder mit unerklärlichen Ausschlägen zu tun habe, hat es mich gereizt neues herauszufinden und darüber nachzudenken, was ich ganzheitlich für mich verändern kann. Zunächst habe ich angefangen meine eigenen Cremes zu rühren. Mittlerweile halte ich es wie viele und lasse nichts an meine Haut, was ich nicht auch essen würde.

Somit mache ich mir auch immer mehr gedanken zu den Inhaltsstoffen in unseren Produkten. Und da lag es nicht fern, das ich auch über mein Shampoo nachdenke. Erst habe ich nur auf unnötige Silikone verzichtet.

Die No Poo Methode

Und beim immer tiefer gehen in dieses Materie habe ich beim recherchieren und Blogs lesen die No Poo Methode entdeckt.

Anfangs war ich enorm skeptisch. Die Vorstellung, dass Menschen KEIN Shampoo benutzen, sondern NUR Wasser, hat in mir schon puren Eckel hervorgerufen. Für mich waren das Mensche, die einfach unhygienisch sind, dreckig leben und in ihrer eigenen Hippie-Öko-Welt leben.

Wie soll das Haar sauber werden?!

Wie soll man nur mit Wasser den Dreck heraus bekommen, fangen die Haare nicht an zu stinken und sehen sie nicht absolut fettig aus?

Ich konnte mir wirklich nicht vorstellen, wie sich der Talg lösen soll. Denn er ist nicht wasserlöslich. Und aus der Skepsis heraus, habe ich mich erstmal nach Alternativen umgesehen. Auf einen Versuch habe ich mich neben der Möglichkeit von Natron, Lavaerde, Roggenmehl, Heilerde und Seifenkraut, auf eine Alepposeife, die rein auf Olivenölbasis basiert entschieden.

Ich konnte mich weiterhin einseifen und musste nicht auf das gewohnte Gefühl der Sauberkeit verzichten. Nach ein paar Wochen habe ich mich an die Umstellung gewöhnt aber ich mochte das Gefühl der Seifen nicht in meinen Haaren. Es fühlte sich richtig komisch an und meine langen Haare waren schwer zu bürsten.

Auf einen Versuch ankommen lassen

Und jetzt stand ich wieder vor der Entscheidung, was ich bloß machen sollte. Die Seife wollte ich nicht weiter probieren und die alternativen Methoden überzeugten mich nicht zu 100%.

Auf Blogs, Youtube und in Erfahrungsberichten habe ich immer häufiger gelesen, dass die Only-Water-Methode wirklich toll ankommt und viele Probleme mit den Haare gelöst hat. Überzeugt haben mich außerdem die tollen Fotos mit richtig schön gepflegt aussehenden Haaren. Nachdem ich mir noch ein paar Informationen zu den Aufgaben unseres Talgs, dem körperlichen Gleichgewicht und unseren Haaren eingeholt hatte, hatte ich eine Entscheidung getroffen. Ich gehen aufs Ganze und starte mit der No-Poo-Methode – entweder alles oder nichts!

Aller Anfang ist schwer

In den ersten Tagen und Wochen sahen meine Haare wirklich schrecklich aus. Ich wusste, das mein Körper ca. 8 -12 Wochen für die Umstellung benötigte und erst dann die Talgproduktion reguliert ist. Aber wenn man den Versuch startet und dann im Spiegel das Ergebnis sieht, wo die schönen langen Haare fettig und komisch aussehen, dann verliert man schnell den Mut.

In diesem Zustand habe ich einen Rückfall erlitten und meine Haare mit Shampoo gewaschen. Doch ich habe mich nicht ansatzweise besser gefühlt. Im Gegenteil, ich war sauer auf mich, dass ich es nicht geschafft habe die 12 Wochen abzuwarten!

Aus dem Frust heraus habe ich mit eisernem Willen wieder bei Null angefangen und alle restlichen Shampoo Flaschen in den Schrank und Sporttasche meines Mannes verfrachtet, damit sie nicht in greifbarer Nähe unter der Dusche waren.

Glücklich ohne Shampoo

Einige Tage und Wochen habe ich wirklich mit eisernem Willen durchgehalten und ich merkte, eine Verbesserung der Haare. Die Talgproduktion reduzierte sich und die Haare fühlten sich immer besser an. Es war noch nicht perfekt und ich rettete mein Aussehen mit Hochsteckfrisuren und selbstgemachtem Haarspray aber es wurde besser.

Nicht mehr ohne meine Bürste

In der Zeit habe ich festgestellt, dass das Bürsten das überhaupt wichtigste ist und das es auf die Bürste selber ankommt! Angangs habe ich noch mit meiner Plastikbürste meine Haare schön gekämmt, doch der Talg klebte immer direkt an den Borsten und das Ergebnis war nicht überzeugend.

Also habe ich den Rat Vieler befolgt und mir eine Wildschweinborstenbürste zugelegt. In der Kombination mit der neuen Bürste und einem intensiven bürsten der Haare, konnte sich das Ergebnis immer besser sehen lassen.

Der Haaransatz war nicht mehr fettig, weil sich der Talg auf die Länge verteilt hat, das Bürsten ist viel angenehmer und feinste Schmutzpartikel lassen sich problemlos entfernen. Außerdem finde ich die Reinigung der Wildscheinborstenbürste viel angenehmer.

Die altbekannten 100 Bürstenstriche ergeben nun auch wieder ihren Sinn. Wenn ich meine Haare von allen Seiten bürste, dann glänzen sie wunderschön, als wenn ich mein früher geliebtes Glanz-Shampoo genutzt hätte.

Für gesundes und glänzendes Haar benutze ich nur zwischendurch eine Apfelessig-Wasser-Spülung. Dazu verdünne ich einfach meinen selbstgemachten Apfelessig mit Wasser und massiere ihn auf der Kopfhaut ein. Nach kurzer Einwirkzeit spüle ich die Pflege wieder aus. Das soll ebenfalls bei juckender Kopfhaut helfen.

Meine neue Routine

Mit meinem Durchhaltevermögen und einer neuen Bürste habe ich den Durchbruch geschafft. Mittlerweile wasche ich meine Haare 1 – 2 pro Woche mit klarem Wasser. Manchmal verwende ich einen Waschlappen, der eventuell etwas Talg aufnimmt. Die Apfelessig-Spülung nehme ich nur sehr selten, wenn ich gerade einmal lust dazu habe, denn meine Haare fühlen sich auch so super an und glänzen schön.

Nach dem Duschen, Morgens und Abends bürste ich meine Haare von allen Seiten- Kopfüber, Seitlich und den Scheitel. Dabei ziehe ich die Borsten immer bis in die Spitzen, um den Talg gut zu verteilen. Als Festiger bzw. Haarspray verwende ich zwischendurch Honig- oder Zuckerwasser, wobei das seit der Umstellung kaum noch nötig ist, weil die Haare nicht mehr fliegen.

Und natürlich ein weiterer wichtiger Punkt, meine Haare stinken nicht. Sie riechen nicht übermäßig, sondern leicht natürlich – eine andere Beschreibung fällt mir nicht ein

Die Veränderung & die Vorteile

Viele Menschen fragen sich zurecht

Warum soll man sich nur mit Wasser die Haare waschen – Welcher Sinn und Zweck steckt dahinter?

Meiner Meinung nach, gibt es einige sehr gute Gründe sich zumindest einmal Gedanken zum herkömmlichem Haarewaschen zu machen.

Zunächst wissen wir in der Regel nicht genau, was in unserem herkömmlichen Shampoo alles drin ist. Die Begriffe auf den Verpackungen hinterlassen bei uns nur Fragezeichen. Ob sie Schuld an vielen Ausschlägen und Allergien sind, werden wir niemals genau sagen können. Außerdem werden viele Produkte oder Inhaltsstoffe vorher an unschuldigen Tieren getestet.

Verzichten wir stattdessen auf diese Produkte, dann tun wir nicht nur etwas für unseren Körper und unschuldigen Tieren, sondern wir sparen viel Geld und noch wichtiger, wir schonen unsere Umwelt vor noch mehr Müll.

Weil ich es der Umwelt, den Tieren und mir Wert bin!

Die positiven Veränderungen an Kopfhaut und Haar sprechen ebenfalls für sich. Unser Körper ist eigentlich ein klasse Maschine, die viele Störungen und Fehler selber beheben kann. Leider greifen wir viel zu oft unnatürlich dabei ein und machen die Probleme dadurch erst richtig groß.

Lassen wir hingegen unsere Kopfhaut selber arbeiten und entfetten sie nicht mit zu starkem Shampoo, dann entwickelt sie ihren eigenen Rhythmus. Sie weiß aufeinmal genau, wie viel Talg produziert werden muss, um ein Gleichgewicht herzustellen.

Der Spliss ist seitdem bei mir besser geworden und meine Haare sind fest, griffig und wiederstandsfähig. Sie lassen sich sehr gut bändigen und ich habe nicht mehr viele fliegende Haare. Sodass ich auch nicht mehr das Gefühl habe, Unmengen an Haarspray verwenden zu müssen und wenn dann verwende ich meine eigene Honig oder Zuckermischung.

Durch das intensive Bürsten legt sich die feine Schutzschicht an Talg um die Haare, wodurch die Haare wunderschönen Glanz bekommen und dem Spliss vorbeugen. Die Haare sind natürlich vor äußeren Einflüssen, wie der Sonnenstrahlung, geschützt.

Gibt es auch was zu meckern?

Und weil wir immer etwas zum Meckern brauchen, habe ich natürlich auch negative Punkte bei der No Poo Methode gefunden.

Es gibt immer eine Schattenseite – aber die ist halb so wild

Die Umstellung dauert gefühlt eine Ewigkeit, besonders wenn man erst am Anfang steht und die Haare wirklich nicht ansehnlich sind. Doch wenn man 12 Wochen überstanden hat, dann bekommt man die Belohnung.

Neben der längeren Umstellung ist es halt auch Pflicht die Haare intensiv zu bürsten und sich die Zeit 1 – 2 mal am Tag zu nehmen und wirklich die 100 Borstenstriche durchzuführen, besonders bei längerem Haar.

Und der letzte Punkt ist die Reinigung der Bürste. Es befindet sich immer Talg zwischen den Borsten, weil Du ihn ja auch bis zu zweimal täglich im Haar verteilst. Dadurch muss man viel öfter als vorher die Borsten der Bürste reinigen. Was ich aber problemlos bei der Wildschweinborstenbürste finde, im Gegensatz zu meiner vorher genutzten Plastikbürste.

Mein langer und ausführlicher Erfahrungsbericht konnte Dir hoffentlich das Thema etwas näher bringen und ich hoffe das ich Dir zum Thema No Poo wirklich weiterhelfen konnte.

Lass es Dir gut gehen!

Sina

2 Gedanken zu „Meine Erfahrung mit No Poo“

    1. Dadurch, dass die Bürste schnell mit überschüssigen Talg besetzt ist, bürste ich mit meiner alten härteren Haarbürste die Partikel raus. Wenn das nicht mehr reicht, dann nehme ich eine Naturseife und löse das Fett/Schmutz und wasche mit Wasser aus. Nebenbei Bürste ich dann nochmal alles raus. Das geht natürlich auch mit speziellen Reinigungsbürsten. Die nasse Bürste lege ich mit den Borsten noch unten auf ein Tuch und am nächsten Morgen ist sie wieder trocken. Zur Pflege des Holzgriffs kann man diesen auch mal leicht mit Kokosöl einreiben.

      Alles Gute
      Sina

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